Der Deinerlinde Wochenbericht vom 25.5.2022

Wie macht man …?

Wie macht man als Ein-Mann-Redaktion eine aktuelle Ausgabe des Wochenberichtes, wenn man gerade gar nicht vor Ort, sondern im Urlaub ist und von den Aktualitäten der Deinerlinde gar nichts mitbekommt? Man sucht sich Themen, die eigentlich immer aktuell sind und über die man so trotzdem noch nie etwas geschrieben hat.

Deshalb heute also eine etwas andere Ausgabe des Wochenberichtes. Fast ohne Bilder und stattdessen mit ein Paar Gedanken zum Leben und Arbeiten in unserem Haus.

Volker  Lemke (derzeit am Fahrradfahren)

Überall das Gleiche! Überall?

Egal welche Baustelle im Land man sich auch anschaut, mit welchem Bauherren man auch spricht. Es fehlt allerorten an Material, weil es entweder derzeit nicht lieferbar ist oder zwischen Bestellung und Lieferung Wochen, wenn nicht Monate, vergehen. Und ist es lieferbar, dann nur zu erheblich gestiegenen Preisen. Und steht das Material dann zur Verfügung, fehlt es an Handwerkern, denn die sind mitunter über Monate ausgebucht.

Auf allen Baustellen das Gleiche! Auf allen Baustellen? Nein, auf einer nicht!

Material zum Bauen haben die Baulöwen in der Deinerlinde nämlich genügend und es kostet sie nicht einmal etwas. Zumindest die Lehmsteine, auf die sie derzeit zum Ausmauern des Fachwerkes zurückgreifen, haben sie nur Mühe aber kein Geld gekostet und stehen in Hülle und Fülle zur Verfügung.

Und ebenso mangelt es nicht am Holz, um den Arbeitstische zu bauen, um daran Pizza und Kuchenbleche zu belegen oder den Brotteig zu kneten, denn das Holz haben sie sich rechtzeitig zu Niedrigpreiszeiten besorgt und eingelagert.

Und auch an Handwerkern mangelt es nicht, kommen doch die Baulöwen Mittwoch für Mittwoch pünktlich zur Arbeit, wenn nicht gerade ein, die Arbeit störender, Arztbesuch dazwischen kommt. Interessanterweise sind einige Ärzte inzwischen dazu übergegangen, Behandlungen direkt auf der Baustelle vorzunehmen und dort zum Beispiel Blutdruck zu messen oder Viertimpfungen vorzunehmen, vermutlich weil sie von eigenen Baumaßnamen darum wissen, dass man Handwerker besser nicht bei ihrer Arbeit stört, soll sie endlich fertig werden. Die Baulöwen zumindest kommen recht gut voran.

(Wieviel schneller und kostengünstiger, wenn auch in Lehmbauweise, wäre der Flughafen Berlin-Brandenburg … na, ja, ist jetzt eh zu spät!)

Also am 15. Juni soll im Backhaus zum ersten Mal Kuchen gebacken werden. Die Baulöwen stehen zu dieser Terminzusage!

Wenn die Küchenleitung Praktikum im Begleitenden Dienst macht, dann darf ein Arbeitsbereich nicht fehlen: Der Kartoffelclub. Frau Thünes Fazit: „Die sind ganz schön schnell, die Damen!“

Unser Dorf ist anders!

Wenn ich Besuchenden die Deinerlinde erkläre, dann benutze ich oft zwei Begriffe aus der Gemeinwesenarbeit. Entweder die Deinerlinde als Dorf. Oder die Deinerlinde als Stadt.

Wie eine Stadt hat sie verschiedene Wohnquartiere, jedes mit seinem eigenen Schönheiten, Vorzügen und Nachteilen, Charakteristika. Wie eine Stadt hat sie Parkanlagen, hat sie einen „Marktplatz“ in der Mitte – das Forum, hat sie eine Kirche – die Capella.

Das andere Bild, das ich verwende – die Deinerlinde als Dorf – erscheint mir bei genauerem Nachdenken zunehmend fragwürdig, wenn ich mir die dörflichen Realitäten, durch die ich gelegentlich fahre, ansehe.

Fahre ich durch Dörfer, dann sehe ich nur selten Menschen, sei es morgens oder abends, sei es in der Woche oder am Wochenende. Die Dörfer wirken oftmals wie ausgestorben und manche sind es ja auch tatsächlich fast. Alte sind dort verstorben, junge Menschen weggezogen, ihre Häuser stehen noch, aber eben auch: leer!

Ein Dorfleben findet sich nicht mehr. Der gemischte Chor hat sich aufgelöst, der Pfarrer oder die Pfarrerin wohnt nicht mehr im Ort, Gasthaus mit „Saal“ – zu! Bäcker: zu! Fleischer: zu!

Zudem: Die Dörfer sind oftmals nicht mehr „idyllisch“, sondern jeder möglichen Bau-Mode folgend hässlich geworden. Aus Fachwerkhäusern glotzen große dunkle einteilige Fenster, wo die Ästhetik doch Sprossenfenster verlangte. Unter Verblendverklinkerung und oftmals auch Asbestplatten ist das Fachwerk womöglich ganz verschwunden und die Einmaligkeit eines alten Hauses zur austauschbaren Gesichts- und Geschichtslosigkeit verkommen.

„Form folgt Funktion“ heißt es in der modernen Architektur. Und wo Dörfer nur noch Schlafdörfer sind, braucht es keine gepflegten und gelebten Plätze mehr. Wenn Dörfer nur noch Orte zum Durchfahren sind, dann erklärt es sich, dass die Norm einer gleichbleibenden Straßenbreite brutal die Vorgärten planierte und von der alten, krummen gepflasterten Wegführung durch den Ort nichts blieb.

Wie komme ich nun auf all dieses?

Um mich auf dem Weg zu einer bevorstehenden Aussegnung zu sammeln, schritt ich den Bauerngarten ab, kam am Forum und der Kräuterschnecke vorbei und schließlich am Maronenhof.

Im idyllischen Maigrün des Bauerngartens saßen fünf Bewohnerinnen bei der Gartenarbeit beieinander, an einem Tisch daneben vier weitere, im Gespräch miteinander. Und von der Terrasse aus sahen zwei Mitarbeiterinnen in ihrer Pause dem Treiben mit offensichtlichem Vergnügen zu. So stelle ich mir ein lebendiges Dorfleben vor: Arbeit, Gespräch, Begegnung und ein bisschen neugieriges Zuschauen, was der Nachbar denn da so macht.

An der Kräuterschnecke wurden noch die eben zu Ende gegangenen Boulespiele „nachkommentiert“ und im Forum sammelte man sich zur gemeinsamen Arbeit des Kartoffelclubs. So stelle ich mir dörfliche Nachbarschaftlichkeit vor: man trifft sich zum gemeinsamen Arbeiten, wie zu gemeinsamen Vergnüglichkeiten.

Im Obsthaus haben wir uns bei einer Aussegnung von jemanden verabschiedet, der nun nicht mehr in unserer Mitte weilt, während die Geräusche der Baulöwen, die am Backhaus arbeiteten, zu uns herauf drangen. So stelle ich mir das Miteinander eines Dorfes vor: Man nimmt Anteil am Schicksal der anderen, man teilt Freud und Leid, man stellt gemeinsame Projekte auf die Beine zum Wohle aller. Tod und Leben, Arbeit und Vergnügen, neues und altes nebeneinander und vor allem gleichzeitig.

So erlebte ich die Deinerlinde an diesem Tag. So lebendig, wie ich Dörfer kaum erlebe. Haus und Hof von so ausgewogener Schönheit, selbst da wo Brandschutzauflagen eigentlich Hässlichkeit provozieren wollen. Und die Gärten, jeder für sich, eine Idylle. So schön ist kaum noch ein Dorf.

Unser Dorf ist anders. In unserer Dorfmitte gibt es noch Leben und treffen sich Menschen, werden die Feste gefeiert, wie sie fallen und wird der Toten gedacht, wie sie es verdienen.

In diesem Sinne will ich also das Bild von der Deinerlinde als Dorf weiter verwenden. Weil unser Dorf anders ist und doch so, wie ich mir Dörfer wünschte.

Volker Lemke

Termine

Montag:

10.00 Uhr – Forum – Gymnastik

10.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

11.15 Uhr – Forum – Kartoffelclub

15.30 Uhr – Gartenzimmer – Spätsport

16.00 Uhr – Forum – Kreativgruppe

16.15 Uhr – Capella – Klingende Capella

Dienstag:

10.00 Uhr – Gartenzimmer – Ratestunde

10.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

11.15 Uhr – Forum – Kartoffelclub

16.00 Uhr – Forum –  Kegeln

16.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

Mittwoch:

10.00 Uhr – Maronenhof – Baulöwen

10.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

11.15 Uhr – Forum – Kartoffelclub

16.00 Uhr – Forum – Bingo

16.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

Donnerstag:

10.00 Uhr – Bauerngarten – „Himmelfahrt am Hühnerstall“

16.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

Freitag:

ab 9.00 Uhr – Wohnbereiche – Marktwagen

11.15 Uhr – Forum – Kartoffelclub

16.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

Samstag:

10.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule

11.15 Uhr – Forum – Kartoffelclub

Sonntag:

16.15 Uhr – Kräuterschnecke – Boule