Sie möchten wissen, wie es uns in der Deinerlinde in diesen besonderen Zeiten mit ihren besonderen Umständen geht? Ich möchte versuchen, von nun an täglich um die Mittagszeit das Neueste aus der Deinerlinde in diesem Live-Ticker zu berichten. Und falls es mal etwas länger dauert, bis der tagesaktuelle Bericht kommt, haben Sie bitte Verständnis. (Die Bildleiste rechts neben dem Text ist bei Handyaufruf der Seite leider nicht sichtbar)

Volker Lemke

Telefonische Informationen für Angehörige bzw. telefonische Kontakte zu Bewohnenden über den Begleitenden Dienst: 05561/935179 von 10.00 bis 17.00 Uhr.

Donnerstag, 2.4.

Information und Kommunikation: Zwei Schlüsselbegriffe in diesen Tagen. Zunächst die Information. Zu einem gelungenen Morgen gehörte für mich schon immer das Lesen meiner Lokalzeitung, der HNA, und die Lektüre der Süddeutschen Zeitung und zum Abend das Anschauen mindestens einer Nachrichtensendung auch wenn ich sonst kein Fernsehen schaue. Nun aber ist zudem die Internetrecherche, mehrfach täglich, dazugekommen. Gibt es neue Verfügungen des Landkreises, was schreibt das Robert-Koch-Institut, was das zuständige Ministerium des Landes Niedersachsen, dann noch ein Blick auf die Statistiken der John-Hopkins-Universität. Und nach der Information kommt die Kommunikation. Nie zuvor, war der Telefonkontakt des Begleitenden Dienstes mit Anrufenden von außerhalb so rege, neueste Entwicklungen teilen sich die Leitungskräfte der Deinerlinde gerade auch Abends per WhatsApp mit, laufend sind E-Mails zu lesen und zu beantworten und täglich die Internetberichterstattung zu aktualisieren, die sie gerade lesen. Ab Morgen wollen wir sie ergänzen durch unsere neue Facebook- und Instagram-Kommunikation und Montag werden wir uns daran machen, eine Möglichkeit zu schaffen, dass Angehörige miteinander über Skype kommunizieren können und Briefe werden schließlich auch noch geschrieben. Information und Kommunikation auf allen Kanälen! Und das ist in diesen Tagen auch gut so. Aber ich freue mich schon jetzt auf den fernen Tag, an dem es wieder möglich sein wird, die Zeitung aus Interesse und nicht aus Notwendigkeit zu lesen und ansonsten mal einen Tag ganz ohne Telefon und Internet verbringen zu können. Bis dahin wollen wir aber auch weiterhin auf allen alten und neuen Kommunikationskanälen für Sie da sein und nach bestem Wissen und Gewissen informieren und Kommunikation miteinander ermöglichen.

Ansonsten läuft der Nachschub an genähten Masken ungebremst. Auch die Firma „Raumgestalter Vespermann“ hat nun ihr professionelles Können in den Dienst der notwendigen Sache gestellt und Masken gespendet. Einer unserer Bewohner fragte bezogen auf die selbstgenähten Masken übrigens, warum wir nun alle Schlüpfer vor dem Mund trügen.

Mittwoch 1.4.
Ein neuer Tag in dieser neuen Zeit. Ich setze meine Befragung fort und treffe Frau Grütz. Sie vermisst am meisten, dass sie nicht raus kann und meint damit Spaziergänge in die Stadt. Sie liest statt dessen viel und geht jeden Tag durch unsere Gärten. Auch Frau Rolf sagt auf meine Frage nach dem, was ihr derzeit fehlt: „Die Freiheit. Dass wir wieder hingehen können, wo wir hinwollen.“ Ihr Alternativprogramm ist lesen, fernsehen und vor allem die Sonne genießen und deshalb sitzt sie jetzt auch an der Kräuterschnecke. Frau Kahle hat sich ebenfalls für die Sonne und die Gärten entschieden und vermisst, „dass wir alle zusammen mal wieder zur Kirche gehen können!“ „Herr Bartel, was vermissen Sie am meisten?“ „Boule spielen!“ „Was machen Sie nun stattdessen?“ Antwort: „Boule spielen.“ Klingt unlogisch stimmt aber tatsächlich. Wir haben uns heute morgen Gedanken gemacht, wie man ein sozial distanziertes Boule-Spiel, also eines mit etwas mehr Abstand, organisieren kann und eine Lösung gefunden, in dem wir einfach die Regeln änderten. Zwei Boule-Spieler sitzen mit Abstand voneinander am einen Ende der Bahn, zwei weitere am anderen Ende und das „Schweinchen“ auf das geworfen wird, platziert der Schiedsrichter und Balljunge in der Mitte.

Herr und Frau Hanemann schließlich haben heute ihren 67. Hochzeitstag und ihre Tochter nutzt den Übergabepunkt vor dem Haus, um einen Kuchen zu überbringen. Zwar ist alles anders in diesen Tagen, als es mal war, aber andererseits entwickelt sich langsam auch eine neue Form von Normalität. Der Mensch braucht eben nur ein wenig Zeit, um sich auf eine neue Situation einzustellen. So entwickeln sich zum Beispiel auch neue Traditionen. Gab es bislang zur Osterzeit eine Buchsbaumgirlande, die den Eingang zierte, hat Frau Termer nun einen „Osterbaum“ kreiert. Unter Anleitung von Herrn Reese wurden die Reste der zersägten Maibaumbirke des Vorjahres in Zement gegossen und Frau Weinrich bereitet den Buchsbaumschmuck vor, während Frau Papenberg mir aus dem Gewächshaus Pflanz-Tips für meinen Balkon gibt. Ich solle die Ringelblumen bloß nicht vor den Eisheiligen auspflanzen! Ich werde es trotzdem tun. Schließlich habe ich ja zu Hause keinen Bauerngarten und brauche auch etwas Grün um mich herum.

Dienstag, 30.3,

In den vergangenen Wochen habe ich viel darüber berichtet, wie wir als Einrichtung jeweils auf die sich verschärfende Situation reagierten. Nun ist es Zeit, die Bewohner und Bewohnerinnen zu Wort kommen zu lassen. Ich habe begonnen, mich mit drei Fragen zu ihnen auf den Weg zu machen. Erstens frage ich, was sie besonders in dieser Zeit vermissen, um zu schauen, was wir ggf. versuchen müssen zu kompensieren, wenn es denn geht. Zweitens, frage ich, welche Strategien sie entwickelt haben, um den Tag nun zwar anders als sonst, aber möglichst erfüllt, zu gestalten – auch, um sie durch diese Frage anzuregen, solche Strategien zu entwickeln. Und drittens frage ich, was wir als Haus tun können, um unter den Gegebenheiten sozialer Distanz das Leben zu organisieren.

Natürlich, alle vermissen irgendwie, mehr oder weniger, die Besuche und die meisten auch die täglichen Angebote. Herr Reese bemerkte, er hätte es ja trotzdem gut, denn zusammen mit seiner Frau seien sie zu zweit und es sei doch eigentlich deshalb alles wie immer. Auch Herr Wolter und Herr Falke vermissen Besuche. Beide aber gehen nun häufiger als früher im Haus spazieren und ins Forum, um zu sehen, was so los sei. Herr Wolter hört mehr Radio, Herr Falke macht mehr Kreuzworträtsel. Frau Niehoff sagt, ihr fehle das Kegeln, das Singen, überhaupt die schöne Unterhaltung, die es sonst gäbe, sie gehe aber nun noch mehr spazieren und lese die Zeitung noch intensiver. Auch Frau Reinecke vermisst den wöchentlichen Besuch ihrer Freundin, hat aber einen reichen Fundus an klassischer Musik und Hörbüchern und sagt: „Ich kann mich beschäftigen. Also gar nicht so schlimm. Wir haben so viel Schlimmes in unserem Leben erlebt. Uns kann nichts mehr erschüttern. Uns geht’s hier drinnen doch sehr gut. Wir können froh sein.“

Es ist diese Moral, die unsere Bewohner und Bewohnerinnen in diesen Tagen zeigen, die mich beeindruckt. Es ist wohl so: Wer Krieg und Nachkriegsjahre erlebt hat – große Not und große Entbehrungen – bringt aus der Erfahrung seines eigenen langen Lebens sowohl die angemessene Gelassenheit mit, die Panik verhindert, als auch die Einsicht in die Notwendigkeit von Beschränkungen und die Disziplin die Situation durchzustehen. Gelassenheit, Einsicht in Notwendigkeiten und Disziplin: Drei Dinge, die wir von unseren Bewohnenden lernen können!

Montag, 30.3.

Ein Päckchen landet auf meinem Schreibtisch. Darinnen lauter bunte, selbstgebastelte Blumen. Dazu das Gedicht von Eduard Möricke: „Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“ Und eine Brief, der uns rührt:

An alle Bewohner und Mitarbeiter.

Meine Töchter Vivien, 8 Jahre, Mathilda, 7 Jahre, und Minna, 2 Jahre, haben für sie alle Blumen gebastelt. Denn wir haben gelesen, dass kein Besuch mehr kommen darf. Darauf haben meine Töchter beschlossen, wir basteln etwas, damit sie nicht mehr traurig sein müssen. Wir hoffen, sie freuen sich und wünschen allen viel Gesundheit.“

Wir erleben Zeiten, in denen sich die Gesellschaft neu in Solidarität und Nächstenliebe übt und von Euch – Vivien, Mathilda und Minna Hirschmann – können wir viel lernen! Danke!

Wir haben uns auch sofort auf den Weg gemacht, um Eure Blumen zu verteilen und als erstes waren wir – und das war wirklich reiner Zufall – bei Frau Marwegen, die sagte, als ich ihr den Brief verlas: „Die kenne ich doch, das waren doch mal meine Nachbarn!“ Während ich diese Zeilen schreibe, werden Eure Blumen nun im Haus weiterverteilt und stiften Freude.

Dank auch an die Firma Biocare! Frau Walter, die uns die Stoffmasken nähte, wurde von ihrer Firma nicht nur freigestellt, sondern diese übernahm auch die angefallene Arbeitszeit.

Knapp zwei Wochen sind es nun noch bis Ostern und manche Angehörige werden sich fragen, „wie werden denn die Bewohner und Bewohnerinnen Ostern verleben, da wir sie nun doch nicht besuchen können?“ Deshalb hier schon mal ein erster Überblick über unsere Planungen: In der Vergangenheit wurde am Karfreitag die Andacht zur Todesstunde von Jahr zu Jahr besser besucht. In diesem Jahr werden wir sie nicht gemeinsam feiern können, halten es aber so, wie auch schon mit der Wochenschlussandacht: Die Andachtstexte finden sich in der Capella und allen die Hilfe benötigen, um diese im Laufe des Tages aufzusuchen, bekommen sie angeboten. Am Samstag vor Ostern haben Bewohner und Bewohnerinnen traditionell die Osterklöben „geflochten“ und das werden sie auch dieses Jahr tun können, allerdings jeweils in den Wohnbereichen, wo sie auch unter Mithilfe der  Mitarbeiterinnen der Hauswirtschaft gebacken werden. Ostersonntag gibt es zunächst ein festliches Osterfrühstück und am Nachmittag für alle Wohngruppen ein Kaffeetrinken vom Feinsten: Die Küche backt Torten und bei schönem Wetter bauen wir in allen unseren Innenhöfen für die Wohnbereiche Kaffeetafeln auf. Am Ostermontagnachmittag gibt es dann „Musik über den Gartenzaun.“ Die Band St.Sixti wird sich in sozial distanzierten Zweiergruppen an den Zäunen rund ums Haus verteilen und in die offenen Fenster und auf die Terrassen und Balkone spielen.

Zudem hoffen wir, Ihnen nach Ostern womöglich ein Angebot machen zu können, Ihre Angehörigen über Skype kontaktieren zu können. Dazu zu gegebener Zeit mehr.

Sonntag, 29.3.

In Zeiten wie diesen ist auch für den Betriebsrat vieles anders als zuvor. Ich befrage den Vorsitzenden des Betriebsrates der Deinerlinde, Volker Ludwig.

Frage: Was macht der Betriebsrat, um mit dieser besonderen Situation umzugehen?

Volker Ludwig: Wir können uns den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vertrauensvoll zur Seite stellen, wenn sie Unsicherheit empfinden und natürlich mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, Abstand voneinander zu halten. Auch die Betriebsratssitzungen haben wir jetzt durch telefonische Absprachen ersetzt.

Frage: Welche Stimmung nimmt der Betriebsrat unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wahr?

Volker Ludwig: Die Stimmung ist gut und wir haben gerade jetzt erstaunlich wenige Krankmeldungen. In schwerer Stunde halten alle zusammen und unterstützen die Kollegen. Es wird hoch professionell gearbeitet und alle bleiben dabei doch entspannt und locker.

Frage: Wie erleben Sie persönlich diese Zeit?

Volker Ludwig: Ich erlebe sie als ruhig und habe plötzlich viel mehr Zeit, die ich vorher so nicht hatte.

Sonnabend, 28.3.

Die gute Nachricht des Tages: Die selbstgenähten Masken sind da! Silke Walter, die sonst als Näherin bei der Firma Biocare arbeitet, hat sich freistellen lassen, um für die Deinerlinde Stoffmasken zu nähen, ebenso wie Frau Glenewinkel, die ebenfalls ihre Nähmaschiene in den Dienst der guten Sache stellte. Die Stoffmasken sind zwei- bis dreilagig und werden im Haus künftig desinfizierend gewaschen. Einen unmittelbar positiven Effekt werden sie sicherlich auch stimmungsmäßig für die Bewohner und Bewohnerinnen mit kognitiven Einschränkungen haben: Sahen wir gestern noch alle wie OP-Schwestern und Pfleger aus, muss ich nun beim Anblick der Kollegen und Kolleginnen eher an Micky Maus denken.

Und noch eine gute Nachricht: Gärtnerei Hoffmeister hat uns eine ganze Palette Frühlingsblumen geschenkt, die Herr Reese und Frau Termer im Haus verteilten und die nun auf den Fluren und in den Zimmern Frühlingsfreude verbreiten. Frau Hertrampf erklärte mir, was alles geliefert wurde: Azaleen, Begonien, Primeln, flammendes Kätchen und Hortensien.

Auch für meine Kollegin Lea Reins gab es eine gute Nachricht: Ich konnte ihr mit Klopapier aushelfen. Damit es nicht so wirkt, als stehle sie dieses im Haus, erfolgte die Übergabe auf dem Parkplatz. Bei Rewe in Northeim habe ich heute zudem für sie eine ganze 10-Packung kaufen können. Montag kann sie sie sich wieder aus dem Kofferaum meines Autos holen. Ich hoffe das diese Parkplatzübergaben nicht den Eindruck erwecken, als sei ich ein Klopapier-Dealer.

Wir bemerken zunehmend das Bedürfnis von Angehörigen, den Bewohnerinnen und Bewohnern kleine Aufmerksamkeiten zukommen zu lassen und vermuten, dass dieses Richtung Ostern noch zunehmen wird. Deshalb werden wir die Übergabezeiten ausweiten. Links neben dem Haupteingang unter der Überdachung können kleine Päckchen Montag bis Freitag, von 10.00 bis 12.00 Uhr, und Montag bis Donnerstag, von 14.00 bis 15.00 Uhr, auf der dortigen Bank abgelegt werden. Sie sollten gut verpackt sein und gut leserlich mit dem Namen des Empfängers beschriftet sein. Wir stellen sie dann zu. Bitte achten Sie darauf, dass die Pakete, auch im Hinblick auf die sicherlich in den nächsten Wochen steigenden Temperaturen, keine leichtverderblichen Waren enthalten. Die Zeiten der Wäscheübergabe, für die Angehörigen, die die Bewohnerwäsche gerne selber waschen wollen, ändern sich im Übrigen nicht.

Freitag, 27.3.

Eigentlich ist alles anders, als sonst an einem Freitag Morgen in der Deinerlinde und doch ist es wie immer: Der Marktwagen fährt, allerdings tragen Herr Merkel und Herr Kasper nun Mundschutz, und die Capella ist für die Wochenschlussandacht hergerichtet, allerdings werden die Bewohner und Bewohnerinnen einzeln in die Capella gefahren und die Andachtstexte finden sich auf Aufstellern und in Bilderrahmen.

Zwei der heutigen Andachtstexte aus der Capella der Deinerlinde:

Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. (Hebräerbrief, Kapitel 10, Vers 35-36)

An einer strömungsreichen Stelle irgendwo am Meer fand ich ein Schild, das Schwimmer warnt und ihnen empfiehlt , für den Fall, dass eine Strömung sie erfasst, sich nicht gegen den Sog zu wehren. Die Strömung führe wieder zurück. Man solle seine Kräfte nicht sinnlos verbrauchen, sondern sich vom Wasser selber zurücktragen lassen. Wie muss ein Mensch beschaffen sein, der handeln kann, wie das Schild es rät? Er müsste zunächst wissen, dass das Meer seine Gesetze hat und seine Bewegungen nicht vollkommen unberechenbar und chaotisch sind. Er müsste fähig sein, auf die Durchsetzung seines unmittelbaren Zieles, nämlich jetzt sofort ans Ufer zu kommen, zu verzichten. Er müsste zugeben können, dass er nicht zu allem fähig und nicht ständig Herr seiner Lage ist, dass seine eigenen Kräfte gegen die Gewalt des Meeres lächerlich sind. Er müsste also einen Glauben haben an den Zusammenhang des Ganzen, eine geduldige Hoffnung auf einen guten Ausgang trotz der augenblicklichen Gefahr und die Demut der richtigen Einschätzung seiner eigenen Kräfte. (Fulbert Steffensky)

Donnerstag, 26.3.

Nachdem ich gestern über die ehrenamtlichen Dienste berichtet habe, nun der Vollständigkeit halber die Namen aller, die Blumendienste übernommen haben in alphabetischer Reihenfolge: Herr Barthel, Frau Butzke, Frau Hertrampf, Frau Kahle, Frau Ludwig, Herr Peckmann, Herr Rese, Frau Wedekind, sowie Herr Wolter. Und Herr Schwerdtfeger wird ab heute den Bücherschrank täglich ordnen und aufräumen.

Wie gelingt zwischenmenschliche Kommunikation in diesen Tagen sozialer Distanz? Einen Weg beschreiten wir und Sie gerade in diesem Moment, die Kommunikation über das Internet. Für unsere Bewohner und Bewohnerinnen ist dieses noch kein Weg, den sie in ihrer Biografie erlernt haben. Gut gelingt in diesen Tagen natürlich der persönliche Kontakt über das Telefon und wird ja auch üppig genutzt. Die älteste Form des persönlichen Kontaktes zwischen Menschen, denen die Distanz zwischeneinander das Gespräch verunmöglicht, wird in diesen Tagen aber offensichtlich auch wiederentdeckt – das Briefeschreiben. Auch hier gilt: Wer seinen Briefkasten nicht selber leeren kann oder Briefe vorgelesen bekommen muss, erhält gerne Unterstützung. Angehörige sollten sich in diesem Fall an obige Telefonnummer wenden, um diese Hilfe anzufordern. Von Anbeginn der Hausschließung an hat die Familie eines Angehörigen diesen Weg des „unterstützten Schriftverkehrs“ schon eifrig genutzt, zur Freude des Bewohners, der nun auf diesem Wege regelmäßig Briefe vorgelesen bekam. Und einen weiteren Weg der Kommunikation  mit der Außenwelt gibt es auch noch: Wir hängen ein Plakat ins Fenster, wie Herr Alfus.

Mittwoch, 25.3., 20.30 Uhr

Entschuldigen Sie bitte, dass der heutige Tagesbericht so spät kommt. Um Spekulationen keinen Raum zu geben: Es lag daran, dass ich heute morgen unversehens aus dringenden familiären Gründen nach Hamburg gerufen wurde. Die Bilder haben die Kollegen gemacht und auf der Rückfahrt haben sie mich telefonisch über der Tag unterrichtet. Eines habe ich aber schon bei unserer morgendlichen Besprechung des Begleitenden Dienstes mit Respekt zur Kenntnis genommen: Unsere Bewohner und Bewohnerinnen reagieren auf die Situation fast durch die Bank mit der erstaunlichen Gelassenheit, die man den Kunden und Kundinnen in den Supermärkten vor ein paar Tagen gewünscht hätte.

Was macht man nun denn aber, wenn die Veranstaltungen ausfallen, so auch die Wochenschlussandacht? Herr  Alfus hält sie z.B. jetzt eben selber mit seinem Losungsbuch im Zimmer und betet für alle Menschen innerhalb und außerhalb des Hauses. Herr Meyer macht das, was er immer macht: Er arbeitet im Bauerngarten! allerdings bedauert er, dass er nicht mehr rechtzeitig vor Schließung der Baumärkte die zwei Säcke Blumenerde besorgen konnte, die er so gerne noch gehabt hätte. Nun muss es eben so gehen. Frau Papenberg wiederum hat sich entschlossen jetzt mal ein Puzzel herauszuholen und Herr Merkel übernimmt zusätzlich zu den Diensten, die er ohnehin schon leistet – Marktwagen schieben und Blumen gießen – auch die Aufgabe, morgens die Capella-Tür zu öffnen und das Licht anzumachen und abends die Tür zu schließen und das Licht zu löschen. Ehepaar Teschke schließlich sammelt ab jetzt abends an der Kräuterschnecke die Kissen ein, damit sie nicht wieder vergessen werden und am nächsten Morgen klamm oder naß sind. Und Herr Barthel, rechts im Bild, macht auch das, was er immer macht: Helfen, wo er kann.

Dienstag, 24.3.

Jeden Morgen kommt in der Deinerlinde die Runde der Leitungskräfte zusammen, um gemeinsam zu überlegen, welche Maßnahmen in der derzeitigen Situation tagesaktuell zu ergreifen sind. Die Verantwortung dafür trägt aber letztlich der Heimleiter und Geschäftsführer der Einrichtung. Ich befrage Thomas Koß-Merrettig.

Frage: Wie geht es Ihnen mit der Verantwortung, die Sie derzeit tragen?

Thomas Koß-Merrettig: Als ich mich dafür entschieden habe, Heimleiter zu werden, war mir bewußt, dass ich eine erhebliche Verantwortung tragen werde. Auch wenn wir aktuell eine Lebenssituation haben, die von uns noch keiner erlebt hat, erlebe ich meine persönliche Verantwortung hier nicht anders, als sie sonst bei meinen Aufgaben und Tätigkeiten ist – nämlich als sehr hoch.

Frage: Um Ansteckungen auch zwischen dem Personal bzw. durch das Personal zu verhindern, haben wie eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. Können Sie diese grob auflisten?

Thomas Koß-Merrettig: Der Grundsatz heißt, Abstand halten: Betreten der Umkleiden einzeln, einzeln Pause machen, einzeln rauchen gehen, Übergaben mit notwendigem Abstand (1,5 – 2 Meter) einzelne Büronutzung bzw. Trennwände zwischen zwei Schreibtischen. Nur ein Mitarbeiter der Bereiche darf gleichzeitig in die Zentralküche. Mitarbeiter der Zentralküche wiederum verteilen aktuell in den Bereichen nicht das Essen, eine neue Tischordnung in den Wohnküche sorgt wo möglich für mehr Abstand. Die Bewohnenden werden einzeln betreut, Gruppenveranstaltungen abgesagt. Seit heute tragen die Mitarbeitenden einen Mundschutz, wenn sie im direkten Kontakt mit den Bewohnenden sind. Bei notwendigen Besprechungen wird Abstand gehalten.

Frage: Sind wir in der Lage, das derzeitige Prozedere im Umgang mit dem Virus auch über längere zeit durchzuhalten?

Thomas Koß-Merrettig: Ich denke schon! Kompliziert würde es, wenn wir den ersten nachgewiesenen Virusfall in unserem Haus hätten, da dann ganz schnell ein Schneeballeffekt der Ausbreitung entstehen könnte.

Montag, 23.3., 11.00 Uhr

Die Sonne kommt zur rechten Zeit! Um im Falle eines Ausbruches einer Infektion die möglichen Infektionswege zu reduzieren, haben wir uns heute entschieden, keine wohnbereichsübergreifenden Angebote mehr durchzuführen. Stattdessen nutzen wir die Weiträumigkeit des Hauses und der vielen Gärten und da kommt uns die Sonne nur recht. Allen Bewohnern und Bewohnerinnen, die nicht einen selbständigen Spaziergang durch das Haus oder die Gärten machen können, werden wir nun anbieten einen solchen begleiteten Spaziergang mit uns zu machen. Auch wenn im Moment noch ein recht kalter Wind weht, soll es sonnig bleiben und die Temperaturen in den nächsten Tagen ansteigen, so dass wir uns dem genießen des Frühlings widmen können.

Viele Angehörige informieren sich bereits über diese Internetseite. Trotzdem bleiben womöglich Fragen oder Anliegen, die sich nur im persönlichen Gespräch klären lassen. Hierfür steht den Angehörigen von 10.00 bis 17.00 Uhr die Telefonnummer 05561/935179 zur Verfügung. Bitte benutzen Sie auch nur diese Telefonnummer und sehen Sie von direkten Anrufen auf den Wohnbereichen hab, da zu häufige externe Anrufe einen sorgfältigen Pflegeablauf gefährden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Sie unter obiger Telefonnummer erreichen, werden bei Bedarf gerne den Kontakt zu den Pflegekräften herstellen. Direkte Anliegen an die Verwaltung richten Sie bitte weiterhin an die zentrale Telefonnummer 05561/93510.

Auch die Kinderbetreuung für die Kinder der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen läuft weiter. Zeit, die in Ausbildung befindlichen Erzieherinnen, zu Wort kommen zu lassen, um sie ein erstes Resümee ziehen zu lassen. Die Fragen stellt Hellevi Fucke, die als ausgebildete Erzieherin das Projekt koordiniert.

Frage: Ihr macht diese Arbeit jetzt die zweite Woche. Was hat euch bewegt, hier in der Deinerlinde diese Aufgabe zu übernehmen?

Nele: Ausgehend von unserem Freitagsprojekt hier in der Deinerlinde sind wir gefragt worden, ob wir diese Aufgabe übernehmen wollen. Es macht sich gut in Bewerbungsgesprächen, wenn man schon praktische Erfahrungen gesammelt hat, also die Möglichkeit hatte, sich mit Kindern auszuprobieren.

Anna: Und es ist schön ist, dass man in der besonderen Zeit, die wir jetzt haben, die Möglichkeit hat, etwas Gutes zu tun und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Sicherheit geben kann.

Frage: Wie war die erste Woche?

Lisa: Ich fand sie super. Wir haben schon Erfahrungen in anderen Kindertagesstätten gesammelt und hier können wir nun selbständig entscheiden und dabei unsere Fantasie freien Lauf lassen.

Frage: Was bedeutet die Erfahrung hier für euren zukünftigen Beruf?

Anna: Wir haben hier gelernt Verantwortung zu  übernehmen. Wir mussten selber Entscheidungen treffen. Wir nehmen viele Erfahrungen mit und sammeln schöne Momente.

Frage: Was können Kitas vom „Lümmelland“ lernen?

Nele: Dass man uns Auszubildenden mehr zutraut und uns selbständiger arbeiten lässt.

Die vierte im Bunde, Evin Akay, fehlt leider beim Interview und auf der Bilderleiste rechts, denn sie wohnt in Göttingen und ab heute stehen ihr die Züge nicht mehr zur Verfügung, die sie bislang in die Deinerlinde brachten. Aber auch ihr gilt unser ganz herzlicher Dank!

Sonntag, 22.3.

Auch Frau Houlgatte, unsere Pflegedienstleitung, hatte viel zu organisieren in diesen Tagen. Ich frage sie nach ihrer Sicht der Dinge.

Frage: Frau Houlgatte, Sie haben sich das Bild von der „Deinerlinde als Insel“ zu eigen gemacht. Warum?

Nadeschka Houlgatte: „Draußen“ erlebe ich ein Klima der Unsicherheit und wenn ich das Verhalten mancher Menschen, z.B. in den Supermärkten sehe, scheinen sie geradezu in Panik zu verfallen. Aber wenn ich hier zur Arbeit in die Deinerlinde komme, dann fühle ich mich sicher. Es herrscht eine ruhige Atmosphäre. Ich erlebe die Bewohner und Bewohnerinnen als entspannt und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen leben ihren normalen Arbeitsalltag. Sie geben täglich ihr Bestes, um die Bewohner ohne Einschränkungen zu versorgen.

Frage: Sie machen ja die Dienstpläne für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Pflege. Üblicherweise gilt: Ein halbes Jahr ist Schnupfenzeit und das andere Halbjahr Urlaubszeit und eigentlich nie Normalität. Wie sieht es denn in diesen Zeiten aus?

Nadeschka Houlgatte: Wie immer, nein, eigentlich sogar besser als sonst. Wir haben wenig Krankheitsausfälle und das entspannt die Dienstplanung. Zudem stehen uns nun auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der geschlossenen Tagespflege zur Verfügung, die uns tatkräftig unterstützen.

Frage: Gesundheitsminister Spahn hat angekündigt, die verpflichtende Fachkraftquote auszusetzen. Welche Bedeutung hat das für uns?

Nadeschka Houlgatte: Aktuell keine. Derzeit haben wir nicht nur keine Probleme die Fachkraftquote zu erfüllen, sondern übertreffen diese. Darüberhinaus haben wir absolut motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die schon von sich aus angeboten haben, zusätzliche Dienste zu leisten, wenn sich die Situation verschärfen sollte. Dafür bin ich sehr dankbar und der Zusammenhalt aller Berufsgruppen hier im Haus wird uns dabei helfen, diese Zeiten zu meistern.

Samstag, 21.3.

Ich befrage Beate Baye, Wohnbereichsleitung im Waldviertel.

Frage: Wie lange sind Sie schon im Beruf?

Beate Baye: Seit 26 Jahren arbeite ich als examinierte Krankenschwester und seit sieben Jahren bin ich in der Deinerlinde.

Frage: Was ist anders in diesen Tagen?

Beate Baye: Man wird bei der täglichen Arbeit noch umsichtiger und bedachter und hinterfragt das eigene Tun und die eigenen Entscheidungen mehr.

Frage: Und wie ist es mit der eigenen Stimmung?

Beate Baye: Ich versuche ruhig zu bleiben; bedacht und überlegt zu handeln.

Frage: Wie hat die Situation ihr Privatleben verändert?

Beate Baye: Ich besuche meinen alten Schwiegervater nicht mehr täglich, sondern stelle ihm nur noch alle zwei Tage das Essen hin. Und es gibt keine Umarmungen mehr und keine Küsse.

Frage: Was gibt Ihnen Kraft?

Beate Baye: Ich vertraue darauf, dass unser System stark genug ist, um diese Probe zu meistern.

Freitag, 20.3.

Predigttext der Wochenschlussandacht

Ich lese aus dem 2. Timotheus-Brief, Kapitel 1, Vers 7: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Manche Menschen haben Angst in diesen Tagen. Angst vor dem Coronavirus und seiner Ausbreitung. Was Angst mit Menschen macht, verrät uns die Sprache:

Angst lähmt, heißt es. Statt auf die Herausforderungen zu reagieren, halten Menschen starr bis starrsinnig an Gewohnheiten fest. Angst macht blind, sagt man. Statt gutem Journalismus zu vertrauen – ARD, ZDF, seriösen Tageszeitungen – wird Gerüchten geglaubt und werden ungeprüft Falschmeldungen weitergeleitet. Und man kann verrückt werden vor Angst, sagt man. Deshalb hamstern Menschen und plötzlich fehlt das Klopapier in den Supermärkten, obwohl genug für alle da wäre. „Angst essen Seele auf“, hieß mal der Titel eines Filmes.

Anders ist es mit der Furcht. Furcht schaltet den Verstand nicht aus. Sie hat ein konkretes Gegenüber – das wovor man sich fürchtet. Furcht schaut der Gefahr ins Gesicht und bewertet sie. Furcht hatten auch die ersten Christen. Zurecht! Es war die Zeit der Christenverfolgungen. Ihnen drohte schlimmstenfalls der Tod, sollten sie sich zu ihrem Glauben bekennen. Ihnen nun sagt Paulus diesen Satz: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Dieser Satz kommt nicht als Zuspruch oder als Bitte daher, sondern als Behauptung. Und tatsächlich: Er hat sich als wahr erwiesen. Hätten die ersten Christen in einem Geist der Furcht gelebt, gäbe es das Christentum heute nicht. Manche von ihnen starben, ja. Aber mit Kraft, Liebe und Besonnenheit haben sie standgehalten, während das sie verfolgende römische Reich schließlich zerfiel.

Auch wir müssen heute standhalten und der Satz des Paulus gilt heute uns. Wir werden diesem Virusgeschehen nicht mit einem Geist der Furcht begegnen, sondern mit Kraft, Liebe und Besonnenheit. Und das wir das können, haben wir diese Woche bewiesen. Obwohl es Kraft verlangte, haben wir doch geradezu mit Leichtigkeit unser Haus isoliert und fast alle Abläufe neu geordnet. Im Geist der Liebe sorgen wir dafür, dass niemand alleine bleibt und ohne Zuspruch. Mit Besonnenheit haben wir unser miteinander leben sicherer gemacht, ohne es zu ersticken. Wie auch immer sich diese Krise entwickelt – und sie wird uns noch lange begleiten – was für einschneidende Maßnahmen sie auch immer noch verlangen wird, was für Leiden sie auch mit sich bringen mag: Wir werden ihr begegnen: Nicht  mit einem Geist der Furcht, sondern einem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Amen

Donnerstag, 19.3., 10.30 Uhr

Aus der Not eine Tugend zu machen, ist die Aufgabe der Stunde. So haben wir beschlossen die Größe unseres Forums zu nutzen, um bei den Angeboten einen zusätzlichen Sicherheitsabstand zwischen unseren Bewohnern und Bewohnerinnen zu schaffen. Deshalb finden gut besuchte Veranstaltungen jetzt einfach drei Mal statt, um so die Teilnehmendenzahl zu dritteln und den Abstand zueinander so zu verdreifachen. Auch die Wochenschlussandacht wird es jetzt einmal für die Bewohnenden des Blumenhauses um 10.00 Uhr, für das Gartenviertel um 10.45 Uhr und für das Waldviertel um 11.30 Uhr geben. In jeder Hinsicht erweist sich die Weitläufigkeit der Deinerlinde, sowohl bezogen auf das Haus, vor allem aber auch bezogen auf die vielen Höfe und Gärten als Geschenk, das wir nun zu nutzen wissen.

Donnerstag, 19.3., 8.00 Uhr

Jedes Jahr Mitte März ist Marktwagenfest. Wir freuen uns darüber, dass unserer rollender Supermarkt, den Bewohnern und Bewohnerinnen jeden Freitag zur Verfügung steht und sie dort die Dinge des täglichen Bedarfes und zudem alles, was sie vorher bestellt haben, einkaufen können. Seit einigen Jahren schon begehen wir den Tag, indem es für alle im Haus – Bewohnende wie Mitarbeitende – Hot-Dogs  bzw. vegetarische Hamburger gibt; sei es auf den Wohnbereichen, im Forum oder dieses Jahr auch im „Lümmelland“, unserem Café, in dem derzeit die Kinder betreut werden. Und der Marktwagen selber ist bestückt mit Cola und Fanta. Zugegeben, es wirkt ein wenig amerikanisch, aber zumindest gibt es mal was anderes zu trinken, als die übliche Apfelschorle.

Natürlich geht auch der Marktwagenalltag weiter und damit der Marktwagen morgen wieder das Haus beliefern kann, steht unserem Mitarbeiter Tobias Fender heute eine besondere Herausforderung bevor: Der Einkauf! Schon sonst zog der beladene Einkaufswagen für die Deinerlinde interessierte Blicke anderer Kunden auf sich. Heute aber, da bin ich mir sicher, werden sich die Leute fragen, was das denn für ein junger Mann ist, der offensichtlich Damenstrumpfhosen und Haftcreme in großer Menge hamstert.

Zum Thema hamstern: Auch unsere Bewohner und Bewohnerinnen hamstern anscheinend. Nämlich Angebote. Selten kamen so viele zum Kegeln oder zur Gymnastik. Da absehbar ist, dass auch das Interesse an der Wochenschlussandacht ungebrochen sein wird, werden wir deshalb die Andacht in der Capella am Freitag zwei Mal feiern, damit die Bewohner und Bewohnerinnen nicht zu eng beieinander sitzen müssen.

Mittwoch, 18.3.

Als vor zwei Jahren in der Noro-Virus-Saison überall in den Schulen und Pflegeeinrichtungen die Magen- und Darm-Grippe grassierte, kam die Frage auf: Warum nicht auch in der Deinerlinde? Weil wir Glück hatten vielleicht, sicherlich aber auch, weil wir Hauswirtschaftsleitung Elke Volger als Hygienebeauftragte haben. Von ihr will ich wissen, wie sie die Situation in der Deinerlinde zum heutigen Tag einschätzt.

Frage:          In den Zeitungen war zu lesen, dass es in den Kliniken vereinzelt zu vorübergehenden Engpässen bei notwendigen Hygieneartikeln kam. Wie  sieht es in der Deinerlinde aus?

Elke Volger: Wir sind gut aufgestellt, dank durchdachter Lagerhaltung. Der Bestand an Schutzkitteln, Desinfektionsmitteln, Handschuhen ist bei unserem aktuellen Bedarf absolut ausreichend.

Frage:      Haben wir denn aktuell noch mit der saisonalen Grippewelle zu tun?

Elke Volger: Nein, Grippefalle sind mir in unserem Hause nicht bekannt und sogar den für diese Jahreszeit üblichen Schnupfen und Husten beobachten wir derzeit kaum mehr. Vielleicht ist auch dieses eine Folge unserer derzeiten sorgsamen Hygienemaßnahmen.

Frage:      Wir haben uns nach außen bestmöglich abgeschottet und befolgen nach innen die Hygienerichtlinien des Robert-Koch- Institutes und die Anweisungen des Landkreises. Fehlt noch was?

Elke Volger: Wir schützen unsere Bewohner und Bewohnerinnen und damit ja auch uns bestmöglichst. Nein, ich glaube derzeit kann man nicht mehr tun.

Frage: Noch eine letzte Frage an Sie ganz persönlich. Wieviel Klopapierrollen haben Sie aktuell zu Hause?

Elke Volger: (lacht) Also ich schätze mal so neun. Und das müsste auch für die nächsten drei Wochen reichen.

Nicht nur für Frau Volger waren die letzten Tage eine Herausforderung, sondern für alle Mitarbeitenden im Haus. Ich frage die stellvertretende Heimleitung, Martina Weitze, nach dem Stand der Dinge.

Frage:     Frau Weitze, wie haben Sie die letzten Tage erlebt?

Martina Weitze: Als eine Zeit hoch konzentrierter Arbeit in der gute Informationen und schnelle Entscheidungen gefragt waren und wir alle gefordert waren, dabei doch mit Ruhe und Bedacht umzusetzen, was nun umzusetzen war.

Frage:     Gerade das Besuchsverbot für Angehörige war ja eine einschneidende Maßnahme. Ich hörte, vor einigen Tagen sei in der Zeitung zu lesen gewesen, ihnen drohe nun deshalb Vereinsamung; gar von Suizidgefahr soll die Rede gewesen sein.

Martina Weitze: Natürlich bedauern unsere Bewohner und Bewohnerinnen, dass sie ihre Angehörgen nun für längere  Zeit nicht sehen können. Aber damit sie eben nicht vereinsamen, führen wir das interne Deinerlindeleben so weiter, wie früher. Die täglichen offenen Angebote finden wie gewohnt statt, geplante Feste, wie das Markwagenfest, werden durchgeführt und unsere Besuche auf den Zimmern verstärkt.

Frage:      Welche personellen Ressourcen haben wir denn, um das Angebot aufrecht zu erhalten und ggf. sogar auszuweiten?

Martina Weitze: Da der Landkreis verfügt hat, dass Tagespflegen, bis auf eine Notversorgung, die bei uns nicht in Anspruch genommen werden musste, zu schließen haben, stehen uns die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nun als Personalreserve zur Verfügung. Das gibt uns natürlich in diesen Tagen eine große Sicherheit und läßt uns an dieser Stelle auch erst einmal gelassen in die nähere Zukunft blicken.

Frage:      Wäre es nicht besser alle internen Veranstaltungen abzusagen?

Martina Weitze: Nein, die Beohner und Bewohnerinnen in ihren Zimmern zu vereinzeln, wäre absolut unangemessen und würde den oben gennnten Befürchtungen Recht geben. Aber derzeit sind wir nach außen so gut es geht isoliert und haben intern keine Krankheits- oder Verdachtsfälle. Sobald sich das ändern würde, wären wir in der Lage, von jetzt auf gleich ganze Wohnbereiche und einzelne Bewohner und Bewohnerinnen zu isolieren und würden dies auch sofort tun.

Dienstag, 17.3.

Die gute Nachricht aus der Deinerlinde: Wir haben keinen Virus – wir haben Frühling! Das Wetter ist in diesen besorgten Tagen ein Geschenk. War es morgens noch etwas frisch, und unsere Bewohner und Bewohnerinnen vergnügten sich wie jeden Dienstag im Forum bei Karten und Brettspielen, so gab es am späten Vormittag kein Halten mehr. Die Kräuterschnecke lockte und es wurden die ersten Boule-Kugeln des Jahres geworfen.

Auch in der Apfelallee stimmte man sich schon auf den Frühling ein und säte in Pflanzgefäße, um Blumen und Gemüse vorzuziehen. Derweil zeigen die Büsche im Bauerngarten erste Knospen, die Zierkirsche im Maronenhof erblüht und rund um das Haus zeigen sich die Osterglocken, die wir in den vergangenen Jahren in die Erde gesteckt haben. Mehr denn je erweist sich, was für eine Gnade es ist, dass wir so wunderschöne Gärten haben. Der Garten am Fischteich lockt zum flanieren, im Bauerngarten beginnt die Arbeit, an der Kräuterschnecke wird Kaffee getrunken und Boule gespielt und auf den Terrassen und Balkonen wird sich gesonnt. Die Herausforderung für den Nachmittag deshalb: Alle, die sich noch nicht an die Sonne locken ließen, zu überzeugen, doch die Nase mal in die Sonne zu halten, denn nichts tut in diesen Tagen dem Körper und der Seele besser, als Sonne und frische Luft.

Montag, 16.03.

Nun ist es also soweit. Die Verfügung des Landkreises ist in Kraft: Nur noch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie medizinisch-therapeutisches Personal und unbedingt notwendige Dienstleister dürfen das Haus betreten. Die erstaunlichste Erfahrung machten wir gleich zu Beginn: Unsere Bewohner und Bewohnerinnen nehmen es mit Gelassenheit! Aber schließlich haben sie in ihrem langen Leben auch schon so manches erlebt und ein wenig froh sind sie zudem, denn sie wissen: Die Abschottung nach außen dient ihrem Schutz. So sahen es auch die wenigen Angehörigen, die persönlich vorbeikamen, um noch dies oder das zu bringen, und zeigten Verständnis in die Notwendigkeit der Maßnahme.

Für solche „Überbringungen“, wie zum Beispiel Wäsche oder Ähnliches, hat die Deinerlinde übrigens am Eingang nun auch einen regelmäßigen Wäscheübergabepunkt eingerichtet: Jeweils montags und donnerstags kann zwischen 10.00 und 12.00 Uhr dort die Wäsche abgegeben, bzw. gebracht werden. Die Beschränkung auf diese beiden Zeitkorridore soll bewirken, dass nicht zuviel Zeit für Hol- und Bringdienste benötigt wird.

Zwei Kraftakte galt es am Vormittag noch zu bewältigen. Zum Einen: Der Frühling kam über Nacht, die Sonne scheint, die Temperaturen klettern und wir haben uns entschlossen von jetzt auf gleich die Kräuterschnecke wieder für das Sonnenbaden und Boulespielen herzurichten. Binnen des Vormittags gelang’s. Das Mobiliar steht, die Sonnenhüte liegen bereit und die Boulebahn ist frisch präpariert. Das Wetter soll schön bleiben und wir werden versuchen, am morgigen Vormittag möglichst viele Bewohner und Bewohnerinnen in die Sonne zu locken.

Die andere Herausforderung: Um optimale Pflege zu gewährleisten, brauch es einen optimalen Personalpool. Da aber die Schulen und Kitas geschlossen sind und die Notgruppen nur unter ganz besonderen Bedingungen zur Verfügung stehen, standen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor der Frage: Wie soll ich mein Kind zu Hause betreuen und gleichzeitig in der Deinerlinde arbeiten. Deshalb ging heute morgen unsere Deinerlinde Kinderbetreuung an den Start. Das Café wurde für die „Lindenlümmel“ zur Spieloase umgestaltet. Durch einen separaten Eingang können die Kinder das „Lümmelland“ betreten, haben dort eigene Toiletten und eine eigene Küche mit eigenem Geschirr, so dass kein Kontakt zur übrigen Deinerlinde besteht. Lediglich das Essen bekommen sie aus der Deinerlindeküche geliefert. Auch die sie betreuenden Mitarbeiterinnen betreten das Haus nicht mehr. Und wer betreut sie nun? Ehrenamtlich konnten eine Erzieherin und vier Schülerinnen gewonnen werden, die gerade ihre Ausbildung zum Erzieherberuf absolvieren und die Deinerlinde schon kennen, da sie in ihr bislang ihr schulisches „Freitagsprojekt“ durchführten.

Was planen wir für heute Nachmittag? Sonnen und Boule spielen an der Kräuterschnecke, Ostern vorbereiten in der Kreativgruppe und entspannender Musik in der Capella lauschen.

So wissen Sie also schon mal, wie es uns in den ersten Stunden auf unserer Deinerlindeinsel erging. Sollten ihre Angehörigen übrigens den Wunsch haben, Sie anzurufen, kommen aber mit dem Telefon nicht zurecht, steht der Begleitende Dienst gerne zur Verfügung und stellt den Kontakt her. Die Bewohner und Bewohnerinnen kennen es ja übrigens von früher: Das Fräulein vom Amt.

Auch Ihnen wünschen wir einen entspannten Tag!

Ab jetzt besteht auch die Möglichkeit, die Bilder durch Anklicken zu vergrößern.

Früher … und heute!

… auch in dieser Hinsicht machen wir uns keine Sorgen, verraten aber nicht, wo wir es lagern…

Und dann gab es auch noch tollkühne Männer zu bewundern…