Automobilgeschichte(n) und Moden(rück)schau

Bewohner und Bewohnerinnen der Deinerlinde/Einbeck

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Mode 30er- und 40er-Jahre

In den 30er- und 40er-Jahren hat man die Schränke von Mutter und Großmutter ausgeräumt und was man fand umgearbeitet. Wir waren immer schick! Heute schmeißen sie ja alles weg und wissen gar nicht, wie schön das war, wenn man im Schrank etwas fand. Ich erinnere ein Voile-Kleid, ein rosa Sommerkleid aus ganz dünnem Stoff, mit Einsätzen. Das habe ich zu meinem zweiten Hochzeitstag getragen. Bis 14 Jahren hatte man Zöpfe. Dann behauptete man, sie seien zu schwer und täten weh, damit man Grund hatte sie abschneiden zu lassen, um eine kurze Dauerwelle tragen zu können.

Im Krieg waren unsere zukünftigen Männer als Soldaten in Frankreich. Da gab es Spitzenstoffe. Die haben sie uns geschickt, weil wir ja heiraten wollten. Diese Spitzenkleider brauchten aber einen Unterstoff. Dafür haben wir Hakenkreuzfahnen genommen.

Margarete Wedekind, Jahrgang 1923

Mode 40er-Jahre

Silvester ’47 habe ich meinen Mann auf dem Tanzboden kennengelernt. ’48 haben wir dann geheiratet. Mein Mann trug einen geborgten Anzug von seinem Onkel und ich das Kleid von Tanta Martha. Die war recht dick und die Schneiderin hat es abgeändert. In den schlechten Zeiten gab es ja nichts. Kaufen konnte man nur unter der Hand und bezahlt wurde mit Essensmarken.

Käthe Ludwig, Jahrgang 1927

Mode 40er- bis 50er-Jahre

Vater ist früh gestorben und Mutter blieb mit uns fünf Kindern allein zurück. Sie hat uns die Kleider und Röcke selber genäht, Hosen trug man ja noch nicht. Nach der Flucht im Februar ’44 kam ich erst nach Bayern und ging dann zu meinem Bruder nach Delligsen. Da habe ich Arbeit in der Eisengießerei August Engel gefunden. Geschlafen habe ich auf dem Sofa in der Küche. 1957 kam ich dann nach Einbeck und arbeitete im Sportgeschäft Höfer. Neue Kleidung hat uns eine Schneiderin aus alten Kleiden genäht. Dann kam der Petticoat, der flog so schön, wenn man zum Tanzen ging. Das war wirklich schön. Und dann kam das Minikleid, so gegen 1959, ’60. Da ging der Saum nur noch bis über das Knie. Meine Mutter hat das nicht gerne gesehen. Das war ja unanständig! In dieser Zeit begann man auch bei „Otto“ oder „Quelle“ zu bestellen und konnte das dann mit seinem Wochenlohn abbezahlen.

Adelheid Seipelt, Jahrgang 1930

Mode 40er- und 50er-Jahre

Mutter hat uns alles genäht. Aus zweien eins gemacht. Und ich war immer schick, zumindest fühlte ich mich so. Bei der Abschlussfeier trug ich ein Kleid aus zweierlei Stoff und braune Lederschuhe. Die hatte meine Lehrerin aus England geschickt bekommen und mir geschenkt. Aus einer Wolldecke hatte mir Mutter einen Mantel genäht und aus einer Hakenkreuzfahne ein Dirndl.

Anna Marwegen, Jahrgang 1931

Arbeiten 40er- und 50er-Jahre

’45 habe ich mir mein erstes Fahrrad gekauft, um damit von Dassensen zur Arbeit nach Einbeck zu fahren. Gelernt habe ich bei den Stadtwerken. Als Lehrling hatte ich Kohle zu schaufeln, erst am Bahnhof aus dem Wagon auf einen Pferdewagen und danach wieder vom Pferdewagen runter. Das war schwere körperliche Arbeit und das mit 14 Jahren. Verdienst haben wir 5 Mark in der Woche. Auch als ich ausgelernt hatte, gab es gerade mal 50 Pfennig Stundenlohn. Davon habe ich auf ein Motorrad gespart, aber als ich dann geheiratet hatte, wurde daraus ein Küchenschrank. Das Schlafzimmer hatte ich von den Eltern und die Wohnzimmermöbel waren zusammengesuchte Sachen. Erst nach und nach konnten wir uns Möbel leisten, aber nie auf Pump. Wir haben immer dafür gespart. In den 70er-Jahren wurde der Verdienst dann besser und wir konnten uns einen gebrauchten „Opel Kadett“ leisten. Später fuhr ich dann einen „3er BWM“, der fährt heute immer noch, nach über zwanzig Jahren.

Werner Falke, Jahrgang 1931

Mobilität 50er-Jahre

Meinen Führerschein habe ich ’48 gemacht, da war ich 18 Jahre alt und habe dann einen „DKW“ gefahren. Der war klein aber gut. 1955 hatte ich dann einen „VW-Käfer“, noch mit geteilter Heckscheibe. Der war hervorragend und lief wie ein Schlepper von Lanz. Gefahren habe ich ihn dann bis etwa 1965. Da kaufte ich mir einen „Mercedes C180“. Das war ein gutes Auto. Damit bin ich sogar am Dreckmorgen über den frisch gepflügten Acker gefahren. Beim C180 bin auch dann auch geblieben.

Siegfried Linneweber, Jahrgang 1930

Mobilität 50er-Jahre

In den 50er gab es noch kaum Autos. Bei uns in Dassensen fuhr das erste Auto der Pastor. Meine Führerschein habe ich so ca. 1960 auf einem „Opel Kapitän“ gemacht. Von meinem verstorbenen Vater übernahm ich dann den „Opel Rekord Caravan“.

Friedel Reese, Jahrgang 1939

Mode 50er-Jahre

Als junge Mädchen trugen meine Schwester und ich Dirndl. Dafür wurde die blau-karierte Bettwäsche auseinander geschnitten und zu Kleidern zusammengenäht, die sich unten zu Glockenröcken weiteten. Darüber trugen wir eine rote Halbschürze. Später hatte ich dann auch einen Petticoat. So sind wir dann abends zu Fuß in die umliegenden Dörfer gegangen, wenn irgendwo Tanz war. Und des Nachts, nach dem Tanz, ging es dann zu Fuß wieder heim.

Von Onkel und Tante, die in die USA ausgewandert waren, bekamen wir fleischfarbene Nylonstrümpfe geschickt. „Was hast denn Du da an? Da sieht man ja die Beine durch“, wurden wir bewundernd gefragt und waren stolz darauf, denn die gab es damals in Deutschland noch nicht. Wenn man sich dann Maschen zog, was häufig geschah, hat man versucht sie mit einer Art Häkelnadel wieder hochzuholen und wenn man es fast geschafft hatte, verlor man oftmals die Masche wieder und das ganze begann von vorn.

Irene Rolf, Jahrgang 1928

Mode 50er-Jahre

In den 50er Jahren trug man „Petticoat“, das waren die Kleider, sie so aufbauschten und „Ballerinas“, die gibt es ja heute auch wieder. Die Röcke gingen so knapp über das Knie. Kaum eine Frau trug Hosen. Ende der 50er-Jahre habe ich mir dann aber eine Jeans gekauft. Auf den Rat einer Freundin hin habe ich mich mit ihr in die Badewanne gelegt, damit sie richtig passt. Als meine Mutter nach Hause kam und mich so in der Badewanne fand, schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen. Die Hose war dann auch ganz schön eng. Ich musste mich flach aufs Bett legen, damit ich überhaupt den Knopf zubekam. Schminken durfte ich mich nicht, obwohl ich es wegen meiner Sommersprossen gerne getan hätte. Mutter war der Auffassung: „Man schmiert sich kein Geld ins Gesicht.“

Margarete Rehm, Jahrgang 1941

Mode 50er-Jahre

Ich war bei der KWS Betriebsleiter. Als ich auf dem Feld war, schlug mir eine Mann von hinten mit dem Stock auf die Schulter – das war der alte Commercienrat Rabethke – und sagte mit Blick auf meine Krawatte: „Gut so, ein Mann in ihrer Position muss immer Krawatte tragen!“ Seit dem trage ich immer Krawatte.

Siegfried Linneweber, Jahrgang 1930

Mode 50er-Jahre

Als junge Frau trug ich einen schwarzen Taftrock, eine weiße Bluse mit imitierten Lack-Brombeeren am Ausschnitt und schwarze Pomps. Ich war auch eine der ersten, die damals „Maxi“ trugen. Als Herrenschneiderin ließ ich mir von einer Näherin aus einem blauen Wollstoff ein Kleid machen. Maxi ging bis über die halbe Wade. Später kam dann „Mini“ – Ach du liebe Zeit!

Anneliese Bruns, Jahrgang 1931

Mobilität 50er- und 60er-Jahre

Meinen Führerschein habe ich 1955 gemacht. Mein erstes Auto war ein „Lloyd“ der Firma Borgward aus Bremen. Besonders an ihm war die Schaltung: Er hatte nicht wie sonst üblich eine Knüppelschaltung, sondern eine Revolverschaltung. Die war für Fahranfänger schrecklich, denn sie verlangte viel Fingerspitzengefühl. Auf den LLoyd folgte ein „VW-Käfer“, der wesentlich besser zu schalten und leiser und schneller zu fahren war.

Damals gab es übrigens noch ebenso viele Unterstellmöglichkeiten für Autos, wie Automobile selber. Dass die Straßenränder vollgeparkt waren, so wie heute, war damals noch nicht vorstellbar.

Auf den Käfer folgte ein „Opel-Rekord“. Wir strebten auch an, uns einen Mercedes zu leisten.  Als ich aber am 8.8.1958 Fialleiter der „Norddeutschen Bank“, später „Deutsche Bank“, geworden war, schien es mir um der Außenwirkung willen besser, die Bestellung zu stornieren. So kaufte ich mir erstmal nur einen „VW-Variant“ und erst etwa 1960 habe ich mir dann in Stuttgart einen weißen „Mercedes 200“ abgeholt. Den haben wir lange gefahren und geliebt. Leider war er sehr rostanfällig.

Franz Alfus, Jahrgang 1925

Mobilität 50er- und 60er-Jahre

Mein Vater war Geschäftsführer in der Bauindustrie. Als erster in unserem Dorf Vogelbeck hatte er ein Automobil als Geschäftsfahrzeug: Einen „VW-Käfer“. Schalten musste man noch mit Zwischengas, denn er hatte noch kein Synchrongetriebe. Mit diesem Käfer haben wir im Sommer Ausflüge in den Harz gemacht.

Als 14-jähriger bin ich mal in einem Porsche mitgefahren: Von Einbeck nach Hannover auf Landstraßen, denn die Autobahn endete damals noch in Nörten-Hardenberg. Obwohl es noch keine Ortsumgehungen gab, dauerte die Fahrt nur eine Dreiviertelstunde.

Damals war es üblich, dass man wöchentlich in bar einen Abschlag auf den Lohn erhielt. Die Endabrechnung erfolgte dann am Monatsende. Deshalb fuhr mein Vater einmal im Monat in die Gegend von Bodenwerder, um das Geld zu überbringen. Diese Touren endeten für gewöhnlich in der Kneipe. Und wer musste dann zurückfahren? Natürlich ich. Manchmal bin ich auch schon hingefahren. Mit 15 Jahren! 1953, was war denn da schon an Verkehr? Einmal stand da ein Polizist am Straßenrand, da hat mein Vater mir schnell seinen Hut aufgesetzt. Meinen Führerschein habe ich dann mit 18 Jahren gemacht. Nach nur drei Fahrstunden, fahren konnte ich ja schließlich schon.

1963 habe ich geheiratet. Mein erstes Auto kaufte ich 1965. Es war ein „Opel-Coupé“, 6-Zylinder, 2,6 Liter Hubraum. Der hat damals 13.000 DM gekostet. Der Stundenlohn lag zu der Zeit zwischen 2,68 und 2,70 DM. 1967 hatte meine Frau damit einen Unfall. Sie war abends auf dem Rückweg von Northeim nach Vogelbeck. Vor ihr auf der Straße fuhr ein Pferdefuhrwerk mit angehängtem Pflug. Da die vorgeschriebene Petroleumlampe am Wagenende fehlte, fuhr sie hinein. Da auch nach der Reparatur die Spur verzogen blieb, habe ich ihn schließlich gegen einen „Mercedes 230 S“, 6-Zylinder getauscht. Damit sind wir dann in den Urlaub gefahren – an den Ostiacher See in Kärnten.

Heinrich Wille, Jahrgang 1938

Mobilität 60er-Jahre

Zu meinem Führerschein hat mich mein Mann gezwungen, den machte ich 1954, da hatten wir noch nicht einmal ein Auto. Ende der 50er haben wir uns dann einen „VW-Käfer“ gekauft, blau, das war mein „Enzian“. Bei dem sind wir geblieben, da mein Mann Verwalter auf der Dömäne war und mit dem Käfer problemlos den Treckern hinterher aufs Feld fahren konnte. Mit dem Käfer konnte man alles machen. Mit ihm sind wir auch nach Bayern in die Berge gefahren. Die amerikanischen Autos mussten am Berg wieder kehrt machen. Sie kamen einfach nicht hoch. Und wir fuhren stolz an ihnen vorbei. Der Käfer machte alles!

Anne-Maria Reinecke, Jahrgang 1925

Mobilität 60er-Jahre

Mein Mann hatte einen „Goggo“. Mitte der 60er muss das gewesen sein. Mit vier Personen saßen wir in diesem kleinen Auto. Im Winter am Berg mussten wir dann aussteigen und nebenherlaufen, damit er überhaupt hinauf kam. Oben konnten wir dann wieder einsteigen.

Renate Brandt, Jahrgang 1941

Mobilität 60er-Jahre

Im Sommer 60/61 sind wir frühmorgens mit dem Motorrad nach Hannover gefahren und dort liegengeblieben. Da musste uns der Schwiegervater mit Trecker und Gummiwagen aus Hannover abholen. Erst in der Nacht waren wir wieder daheim. Später hatten wir dann einen „VW-Käfer“ und danach einen „VW 1600 TL“ Den haben wir elf Jahre gefahren. Dann ist uns der Unterboden weggefallen.

Meinen Führerschein habe ich 1964 gemacht, aber nur für Trecker! Zu dem Führerschein für PKW wurde ich nicht mehr zugelassen, da ich hochschwanger war. 14 Tage später wurde nämlich meine Tochter geboren.

Lisa Kahle, Jahrgang 1937

Wohnen 60er-Jahre

Geheiratet haben wir 1957 konnten aber in Einbeck keine Wohnung bekommen. Mein Mann lebte noch in Braunschweig und ich hier bei meinen Eltern. Da mein Chef, Herr Deppe, fürchtete, dass ich nach Braunschweig ginge, hat er uns dann in einem Haus in der Tiedexerstraße, das er gekauft hatte, den Dachboden ausgebaut. Anfangs mussten sich dort noch zwei Familien eine Toilette teilen. 54 Jahre bin ich dort wohnen geblieben.

Anneliese Bruns, Jahrgang 1931

Wohnen 60er-Jahre

1958 habe ich geheiratet, 1959 bekam ich meine Tochter, wohnte aber bis 1960 bei den Großeltern und mein Mann bei seiner Tante. Wenn er mich besuchte, musste er abends um 10.00 Uhr immer gehen. Da bin ich zur Stadt gegangen und habe gedroht ich bleibe nun mit meinem Kind so lange dort sitzen bis ich eine Wohnung bekäme. Da hat es endlich geklappt.

Renate Brandt, Jahrgang 1941

Mode 60er-Jahre

In den 60er-Jahren waren die Schuhe keilförmig spitz zulaufend und die Hosen hatten einen Aufschlag und waren weit. Des Sonntags trug mein Vater Krawatte. Auch zu Hause.

Friedel Reese, Jahrgang 1939

Wirtschaft in den 60er-Jahren

In den 60er-Jahren gab es in Einbeck noch etwa 13 Schlachtereien. Heute ist es nur noch eine einzige.

Friedel Reese, Jahrgang 1939

Mobilität 70er-Jahre

Mein erstes Auto war ein roter „VW-Käfer“. Den bin ich zehn, zwölf Jahre gefahren. Der war unverwüstlich. Danach hatten wir einen Fiat. Mit dem waren wir in Italien im Urlaub. Da ist uns an einer roten Ampel jemand hinten rein gefahren. Mit 30, 40 Stundenkilometern, vielleicht waren es auch 50, sind wir dann aus Italien wieder nach Hause gefahren. Das hat drei Tage gedauert.

August Wilhelm Merkel, Jahrgang 1940

Mobilität 70er-Jahre

Unser erstes Auto war ein „1300 Käfer“. Das war das Auto des kleinen Mannes. Unser war dunkelblau. Da sah man jeden Dreck und Schimmer drauf. Er sah aber klasse aus, mit den verchromten Stoßstangen und Zierleisten. Im Winter waren wir mit dem Käfer oft im Harz. Mit Winterreifen oder gar mit Spikes, die ja damals noch erlaubt waren, ging er jeden Berg hoch, zumal die Last ja dank des Heckmotors auf den Hinterreifen lag.

Elida und Paul Holleck, beide Jahrgang 1930