Reformationssommer 2017
Aufbruch Deinerlinde

Vor 500 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht und damit eine Bewegung ausgelöst, die nicht nur eine neue Konfession entstehen ließ, die katholische Kirche nachhaltig veränderte, sondern weltweit in Gesellschaft und Staat Veränderungen anstieß, die bis heute wirken und prägen. Die Auswirkungen dieses Aufbruchs auf Kirche und Gesellschaft, kann man kaum überschätzen. Luther übersetzte die Bibel ins deutsche. Da alle Menschen sie auch lesen können sollten, zog dies die Notwendigkeit der allgemeinen Schulbildung, auch für Mädchen, nach sich und war Voraussetzung ihrer Emanzipation. Mit dem Gedankens des „Priestertums aller Gläubigen“ – dem Gedanken also, dass jeder Christ die Bibel lesen und eigene Schlüsse daraus ziehen kann, ist die Voraussetzung für den mündigen Staatsbürger, der selber denkt und urteilt, geschaffen und somit die Voraussetzung für Aufklärung und Demokratie. In diesem Sommer erinnern sich Staat und Kirchen gemeinsam an diesen Aufbruch , um sich der Frage zu stellen, welcher Aufbruch ist heute von Nöten, in Kirche und Gesellschaft, im Großen und Kleinen. Auch die Deinerlinde könnte sich diese Frage stellen. Vieles in der Deinerlinde ist gut – ohne Zweifel. Aber längst nicht alles ist Bestens! Wo täte uns Reformation gut? Welche Veränderungen in der Deinerlinde sind möglich und nötig? So, wie es das „Priestertum aller Gläubigen“ gibt, so gibt es auch das „Expertentum aller Betroffenen“. Die Menschen, die in der Deinerlinde leben, die Angehörigen, die sie besuchen, die Menschen, die in der Deinerlinde arbeiten, wissen am Besten, was längst noch nicht gut ist und besser werden kann. Deshalb soll auch die Deinerlinde Teil des Reformationssommers 2017 werden. Im Juli und August werden mindestens 95 Bewohnende, Angehörige und Mitarbeitende aufgesucht und befragt werden:
„Was, ganz konkret, muss anders werden, damit Sie als Angehöriger, als Mitarbeitender, einmal gerne in die Deinerlinde zögen?“ „Was, ganz genau, muss sich verändern, damit Sie als Bewohnender sagen können: Alles Bestens!“ Machen Sie sich Gedanken, prüfen Sie dieses Haus und wenn Sie dann aufgesucht werden,
formulieren Sie Ihre These. Formulieren Sie Ihr Reformationsanliegen, von dem Sie sagen: Dazu stehe ich!“ Benennen Sie einen ganz konkreten Wunsch, für den Sie bereit sind einzustehen, mit Ihrem Namen und mit Ihrem Engagement und für das sie bereit sind am 31. Oktober zu werben. Zum Reformationsfest
2017 werden wir diese 95 Thesen der Deinerlinde veröffentlichen, so dass man an ihnen nicht mehr vorbeikommt, werden ggf. über sie streiten und uns verständigen, welche Veränderungen wir umsetzen wollen. Was wir dann gemeinsam wollen und sofort umsetzen können, werden wir umsetzen und haben einen engagierten Heimbeirat, der darüber wachen kann, dass das für gut und richtig befundene nicht in Trägheit versinkt. Und es wird Dinge geben, von denen wir sagen: „Sie sind richtig, diese Veränderungen wollen wir, aber das geht nicht so schnell. Das verlangt Arbeit.“ Dann machen wir uns an die Arbeit! Ein Jahr lang, vom Reformationstag 2017 bis zum Reformationstag 2018, nehmen wir uns dafür Zeit. Und es wird Dinge geben, von denen wir sagen: „Das wollen wir anders, aber noch geht es nicht, noch ist es Utopie“ Das aus einer kleinen jüdischen Sekte in Jerusalem einmal die weltweite Ökumene werden würde, war zu Pfingsten vor 2000 Jahren auch eine Utopie. Und ist heute Realität. Das Luthers 95 Thesen eine neue Epoche einleiten, schien damals Utopie und wurde noch zu seinen Lebzeiten Wirklichkeit. Als vor mehr als 50 Jahren Martin Luther King seinen berühmten Satz sprach: „Ich habe einen Traum, dass eines Tages weiße und schwarze Menschen Hand in Hand gehen“, konnte er nicht zu hoffen wagen, dass in diesem Jahr ein schwarzer US – amerikanischer Expräsident vor dem Brandenburger Tor die Jugend aufrufen würde, die Welt gerechtet und friedlicher zu machen. Träume können wahr werden. Man muss sie bloß haben! In der Apostelgeschichte heißt es übrigens über den Heiligen Geist: „… und eure Alten sollen Träume haben.“
2018-01-31T07:48:21+00:00